upstairs project

June 27th, 2019

Ein Raum, zwei Galerien und ein dynamischer Dialog zwischen klassischen Werken und junger Kunst – das upstairs project lädt Kunstinteressierte in der Galleria Passage im Herzen Hamburgs an einen ungewöhnlichen Ort ein. In der Architektur aus schwarz-weißem Marmor wird es für ein Jahr „upstairs“ im ersten Stock kunstvoll und exzentrisch, meisterhaft und provokant, erotisch und urban. Von Zeichnungen und Malereien bis hin zu Graffiti bietet das upstairs project die Möglichkeit, Traditionelles kennenzulernen und junge aufstrebende Künstler und Künstlerinnen zu entdecken.

Die Galerien

Galerie Lippmann und Galerie und Verlag St. Gertrude vereinen gemeinsam mehr als ein halbes Jahrhundert Kunstgeschichte. Das Spektrum reicht von den klassischen Zeichnungen und Radierungen des „Meisterzeichners“ Horst Janssen bis zur Urban Art junger Künstler.

Die von Sabrina Lemcke geführte Galerie St. Gertrude, gegründet 1984, arbeitete mit Horst Janssen bis zu dessen Tod im Jahr 1995 eng zusammen. Der 1929 geborene exzentrische Ausnahmekünstler schuf ein gewaltiges Oeuvre. St. Gertrude publizierte einen Großteil der über Janssen erschienenen Literatur und Editionen. Darüber hinaus führt die Galerie in ihrem Portfolio weitere etablierte Positionen, die inhaltlich Parallelen zu den Arbeiten Janssens aufweisen.

Die Galerie Lippmann feiert in diesem Jahr ihre Gründung und ist für das Team gleichzeitig ein Schritt zurück zur Kunst. Joscha Chmielewski, Benjamin Auch und Martin Stohrer hat bereits in den 1990er Jahren die Liebe zum Graffiti zueinander geführt. Mit der Eröffnung des Ausstellungsraumes Galerie Lippmann im Schanzenviertel erfüllt das Triple sich nun einen lang gehegten Wunsch: Urban Art in all ihren Facetten dem interessierten Publikum zu präsentieren und eine Plattform für den Austausch zwischen jungen Künstlern und Besuchern der Galerie zu schaffen. Begleitet von regelmäßig stattfindenden öffentlichen Veranstaltungen geht es dem Team darum, den Diskurs zu fördern und mit jeder Ausstellung noch unbekannten Künstlern und Künstlerinnen die Möglichkeit zu geben, sich der Öffentlichkeit zu präsentieren.

Das Projekt

Das upstairs project vereint die Leidenschaft zweier Galerien für die Kunst und deren Vermittlung. Im besten Sinne des Wortes ist es ein Projektraum, der – am oberen Ende der Treppe – den Weitblick sucht. Mit Experimentierlaune und dem Sinn für das Ungewöhnliche wird zusammengebracht, was selten zusammen gesehen wird: Etablierte Namen treffen auf Newcomer, Klassisches auf Innovatives, Hochpreisiges auf Erschwingliches. So wird ein Ort geschaffen, der Generationen verbindet: in Form der Künstler wie auch in Form des Publikums.

Der dynamische Austausch steht dabei an oberster Stelle: zum einen in Bezug auf die künstlerischen Positionen und zum anderen in Form des Dialogs mit dem Publikum. So lädt das upstairs project mitten in der belebten Innenstadt zum Verweilen ein: zum Blättern in der Janssen-Bibliothek, zum Stöbern in der Auswahl an Künstlerplakaten und erschwinglicher Grafik und zum Gespräch mit den Galeristen.

Der Ort

Mit der Ausstellungsfläche in der 1983 eröffneten Galleria Passage schließt sich ein kunstvoller Kreis. Dort betrieb das Ehepaar Erbe einst eine Buchhandlung – und eine Ecke weiter Richtung Hohe Bleichen – ebenfalls eine Galerie. Der Galerie „Kunststücke“ widmete Horst Janssen die gleichnamige Zeichnung, die als Plakat gedruckt wurde. Das originale Blatt „Kunststücke“ wird in den Räumen des upstairs project zu sehen sein und schlägt damit eine Brücke zur Geschichte des Ortes.

Auch die Passage selbst ist ein architektonisches Kunstwerk. Der 1983 eröffnete Bau des Schweizer Designer- und Architektenehepaars Trix und Robert Haussmann wurde sogar vom Designmagazin wallpaper ausgezeichnet. Inspiriert ist der Bau von historischen Vorbildern. Vielfältige Details wie die aus Bleiglas ausgeführten gerafften Vorhänge über den Eingängen verleihen der Galleria Passage ihre einmalige und kunstsinnige Atmosphäre.

Die Eröffnung

Horst Janssen zählt zu den bedeutendsten Künstlern der deutschen Nachkriegszeit. 1968 erhielt er den Grafik-Preis der Biennale in Venedig, stellte in der Folge international aus und wurde 1975 zur documenta in Kassel eingeladen. Sein Werk hat die zeitgenössische Kunst nachhaltig geprägt und tritt nun in der Auftaktausstellung des upstairs project in Dialog mit Werken junger Künstler.

Auch heute noch profitieren diese von Persönlichkeiten wie dem Exzentriker Janssen. Nicht nur, dass er vorlebte, wie man in der Boulevardpresse immer wieder durch Schlagzeilen auf sich aufmerksam machen kann - seine Skandale und Eskapaden waren legendär. Wesentlich bedeutsamer ist sein nach wie vor hochaktuelles Kunstverständnis, das Gemeinsamkeiten mit dem von Gerhard Richter aufweist. Beide, darauf weist Werner Hofmann hin, Kunsthistoriker und ehemaliger Direktor der Hamburger Kunsthalle, fordern konsequent Freiheit für den Künstler ein. Die Spielregel „ein Mann, ein Stil“ lassen sowohl Janssen als auch Richter links liegen. Ihre Stärke liegt darin, sich immer wieder neu zu erfinden.

Sich immer wieder neu erfinden, sich die Freiheit nehmen zu experimentieren und offen zu bleiben für Ungewöhnliches, ist auch charakteristisch für die Arbeiten des 1979 in Berlin geborenen Peer Kriesel.

Seine „Wimmelbilder“ thematisieren auf humorvoll-fantastische Weise die digitale Datenflut und die zeitgenössische Reizüberflutung. Die teils surreal-verschrobenen, teils ironisch-zarten Gestalten drängen explosionsartig aus der Tiefe an die Bildoberfläche.

Mit feinem Strich sind sie mit viel Liebe fürs Detail frei und intuitiv aus farbigen Gebilden herausgearbeitet. Die überbordenden Figurenfluten weisen in ihrer technischen Versiertheit und dem Sinn fürs Detail überraschende Gemeinsamkeiten mit den Arbeiten Horst Janssens auf und können, wie die Werke des Älteren, kaum auf den ersten Blick entschlüsselt werden – zu komplex ist die Welt, die sich dort auftut, zu vielschichtig sind die Erzählstränge.

Fakten
Vernissage: am 11. Juli 2019 von 18 Uhr bis 22 Uhr
Ort: Galleria Passage, Große Bleichen 21, 20354 Hamburg
Laufzeit der Ausstellung: bis 5. Oktober 2019
www.upstairs-project.de - hello@upstairs-project.de

Galerie und Verlag St. Gertrude
Goldbachstraße 9 - 22765 Hamburg
Tel.: +49 40 38 28 47 - info@st-gertrude.de - www.st-gertrude.de
Öffnungszeiten: Di. - Fr. 10 - 18 Uhr, Sa. 11 - 15 Uhr u. n. V.

Galerie Lippmann
Lippmannstraße 57 - 22769 Hamburg
Tel.: +49 40 466 51 530 - hallo@galerie-lippmann.de
www.galerie-lippmann.de - www.instagram.com/galerie_lippmann/
Öffnungszeiten: Mo. - Fr. 11 - 18 Uhr