Interessanterweise lässt sich eine Verbindung zwischen Kriesels Arbeit und dem surrealistischen Kartenspiel „Jeu de Marseille“ ziehen. Dieses Tarot-ähnliche Deck, 1940-41 von André Breton und anderen Surrealisten im Exil geschaffen, ersetzte traditionelle Kartensymbole durch surrealistische Motive. Inspiriert von diesem Konzept, entwickelte Kriesel die Idee, sein eigenes Tarot-Deck zu gestalten. Dabei sollte sein Moleskine-Skizzenbuch als reichhaltiger Fundus für Figuren, Symbole und Archetypen dienen, die die Eigenheiten unserer digitalen Ära widerspiegeln.
In Kriesels Skizzenbuch offenbart sich eine Welt, in der absurd-verschrobene, mit feinen Linien gezeichnete Fratzen und Masken die Hauptrolle spielen. Diese Figuren sind nicht nur ästhetisch faszinierend, sondern fungieren auch als Zerrspiegel der zunehmenden Maskerade in unserer von sozialen Medien geprägten Gesellschaft. Sie verkörpern die Spannung zwischen authentischer Identität und digitaler Selbstdarstellung – in einer Zeit von KI und der Frage, was den Mensch von der Maschine abgrenzt.